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[Rezension] Jean Webster: Lieber Feind

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Ich liebe Briefe. Auf das Schreiben bin ich ehrlich gesagt nicht so erpicht, weil ich in der Hinsicht ein kleiner Perfektionist bin, mich über Fehler, vergessene Worte oder ähnlich sehr ärgere und dann am liebsten nochmal von vorn beginnen möchte. Doch Briefe zu bekommen und sie dann ganz in Ruhe zu lesen, macht mir unheimlich Spaß, denn vor allem handgeschriebene Briefe sind etwas ganz Besonderes, Persönliches. Doch da mein Briefkasten mir meistens nur Werbung oder Rechnungen ausspuckt, musste ich mir anderweitig Abhilfe schaffen und da kamen die Briefromane von Jean Webster gerade recht und heute möchte ich euch den Folgeband von Lieber Daddy Long Legs, den ich  schon sehr bezaubernd fand, vorstellen: Lieber Feind.

Gelesen habe ich es übrigens zusammen mit meiner lieben Wiebi und ich muss sagen, dass ich ein großer Fan von Buddyreads bin. Der stetige Austausch macht einfach unheimlich viel Spaß und motiviert mich immer sehr.


Klappentext:

Ein Waisenhaus leiten? Sally McBride erklärt ihre beste Freundin Judy für komplett verrückt, als diese ihr die Leitung des John-Grier-Heims übertragen will. Hätte ihr Verlobter nicht schallend gelacht und damit ihren Ehrgeiz geweckt, Sally hätte niemals eingewilligt.

Plötzlich einhundert Kinder zu haben, ist keine leichte Aufgabe! Und die Zustände im Heim sind haarsträubend. Mit Verve geht Sally an die Arbeit, um ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. Doch dabei macht sie sich nicht nur Freunde. Ihr liebster Feind allerdings ist und bleibt der betreuende Kinderarzt Dr. Robin MacRae.

Mit „Lieber Feind“ knüpft Jean Webster an „Lieber Daddy-Long-Legs“ an. Im Unterschied zu den Briefen von Judy an Daddy-Long-Legs, schreibt Sally an mehrere Adressaten, auch an Judy, so dass wir so auch erfahren, wie deren Geschichte weitergeht. Geistreich, anrührend und voller Charme, sollte man sich auch diesen wunderbaren Briefroman nicht entgehen lassen!

Details:

* Königskinder Verlag * 416 Seiten * Hardcover * 18,99 € * Erschienen am 21.03.2018 *


Im Gegensatz zum ersten Band Lieber Daddy Long Legs (meine Rezension findet ihr hier) spielt das ehemalige Waisenkind Judy Abbott eher eine Nebenrolle, denn im zweiten Band bekommen wir einen Einblick in die Korrespondenz ihrer ehemaligen Studienfreundin Sallie McBride. Auf Judys Bitte hin übernimmt diese nämlich die Leitung des Waisenhauses, in dem ihre Freundin die Kindheit und Jugend verbringen musste. Mit allerlei Tatendrang stellt sie sich dieser großen Aufgabe und hat vor in dem Heim ordentlich aufzuräumen. Doch nicht alle Bewohner und Mitarbeiter können Sallies Enthusiasmus teilen und vor allem der irische Kinderarzt des Heims mausert sich schnell zu Sallies liebsten Feind…

Jean Webster Lieber Feind Königskinder Verlag.jpg

Die Protagonistin Sallie McBride kommt eigentlich aus guten Hause und hätte es nicht nötig selbst arbeiten zu gehen. Als sie allerdings allein für den Vorschlag belächelt wird, packt sie der Ehrgeiz und sie nimmt die Stelle an– vorläufig! Hätte sie vorher gewusst, was dabei auf sie zukommt, hätte sie wohl da bereits die Beine in die Hand genommen! Doch Sallie ist eine toughe, agile Frau, die mit Ironie, trockenem Humor und viel Tatendrang glänzt. Ich selbst bin ein großer Fan von ihr und denke, dass sie ihrer Zeit weit voraus ist, denn man muss bedanken, dass die eigentliche Geschichte bereits aus dem Jahre 1915 stammt!

An einigen Stellen merkt man der Geschichte auch ihr Alter an, denn vor allem was die Kindererziehung und auch den Vorgang der Adoption anbelangt, gab es für mich den ein oder anderen Oha-Moment. Auch diese heutige Selbstverständlichkeit, dass Frauen arbeiten gehen, machte mir ein ums andere Mal bewusst, dass es sich zwar um eine Neuauflage, aber keine Neuerscheinung handelte.

Doch das Buch, das in Form von Sallies Briefen an ihre Freundin Judy, an den Kinderarzt Dr. Mac Rae und einige andere Personen geschrieben wurde, bringt einige wundervolle Lesestunden mit sich. Von Sallies Ideen und Engagement zu lesen, hat unheimlich viel Spaß gemacht. Ich empfand sie als sehr inspirierende Person.

Generell finde ich die Briefromane von Jean Webster einfach toll! Da man die Briefe und dadurch auch die Geschehnisse immer nur aus einer Sicht liest und auch die Antworten nicht bekannt sind, bleibt trotzdem viel Platz für Fantasie und ich finde, dass man dadurch auch die Gefühlswelt der Protagonistin um einiges intensiver erleben kann. Für mich ist Lieber Feind, wie auch der Vorgänger, ein kleines Highlight der ganz besonderen Art.


Was haltet ihr von dieser Art von Büchern: schmökert ihr gern in der Korrespondenz fremder Leute oder lest ihr lieber richtige, fortlaufende Geschichten?

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Das sagt Die Buchbloggerin:

Es gibt noch so viele Episoden, von welchen ich berichten könnte und allein diese beim Schreiben dieses Textes Revue passieren zu lassen, zaubert mir ein Lächeln auf die Lippen.

Das sagt Bücher ohne Ende:

Zum Glück war dieses Buch etwas dicker als “Lieber Daddy Long legs” sodass ich dieses Mal länger etwas davon hatte. Die Briefe ließen sich nämlich wieder wie nichts lesen und die Seiten flogen nur so dahin.

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