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Rezension| Mathias Malzieu: Die Mechanik des Herzens

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Als ich meine Bücherliste für den Dezember vergangen Jahres zusammenstelle, suche ich nach einem dünneren Büchlein mit einer hübschen Geschichte für’s Herz. Ich schaute also meine Regale durch und mein Blick fiel auf das wunderschöne, malerische Cover dieses Romans– dieses Buch sollte es werden. Doch ich las hiermit keine kleine, hübsche Geschichte, die das Herz erfreut. Dieses Buch ist viel mehr und vor allem skurrile Poesie mit einem Hauch, also wirklich nur einer Prise Horror und viel Leid, Ungerechtigkeit und Herzschmerz. Verziert mit einer hübschen Schleife. Und trotzdem konnte es mich nur bedingt begeistern.


Klappentext:

Edinburgh, 1874. Die Alten fragen sich, ob dies die kälteste Nacht sei, die die Welt je erlebt hat. In dieser eisigen Finsternis wird Jack geboren – mit einem Herz, das einfach nicht schlagen will. Die alte Hebamme Dr. Madeleine setzt ihm ein mechanisches Herz in Form einer Kuckucksuhr ein. Um zu überleben, muss Jack fortan jeden Tag aufgezogen werden und heftige Emotion vermeiden. Vor allem darf er sich aber niemals, absolut niemals verlieben. Doch dann trifft Jack die bezaubernde Tänzerin Miss Acacia …

Details:

– btb Verlag – 192 Seiten – Taschenbuch – neu nicht erhältlich – Erschienen am 09.06.2014 –


Jacks Geschichte beginnt in der kältesten Nacht aller Zeiten. Der kleine Junge kommt mit einem kaputten Herzen zur Welt und um überhaupt leben zu können, setzt ihm seine Hebamme eine Kuckucksuhr ein, die fortan sein Herz sein wird. Doch um sein Kuckucksherz nicht zu überfordern, darf Jack niemals allzu intensive Gefühle entwickeln. Über Jahre hinweg stört in diese Einschränkung keineswegs, aber während eines Ausflugs in die Stadt begegnet er der wunderschönen Miss Acacia, die es ihm unmöglich macht sein mechanisches Herz weiterhin unter Kontrolle zu halten. Um sie wiederzusehen, nimmt Jack allerhand auf sich, denn für ihn geht diese Liebe bis über den Tod hinaus…

Mathias Malzieu Die Mechanik des Herzens btb Verlag Rezension.jpg

Ich muss sagen, dass ich mit Malzieus Schreibstil ein paar Probleme hatte. Zwar ist das Buch mit seinen knapp 200 Seiten nicht gerade das, was man als Wälzer bezeichnen würde, trotzdem kam ich nur relativ langsam voran. Viele Dinge werden nur angerissen und somit der Fantasie des Lesers überlassen; anderes wird sehr bildgewaltig und detailreich beschrieben. Die Mischung gefiel mir eigentlich ziemlich gut, doch vor allem an den blutigen Stellen hätte ich darauf verzichten können. Das Leben des kleinen Jacks ist alles andere als ein Zuckerschlecken und wer davon ausgeht, dass hier etwas in irgendeiner Art und Weise beschönigt wird, irrt gewaltig. Dank der intensiven Erklärungen dazu, spürte ich nur Jacks Unwohlsein und Befangenheit, sondern auch seine körperlichen Schmerzen und vor allem die Scham wegen seines tickenden Geheimnisses.

Im Verlauf der Geschichte fallen einige Fehler auf. Plastikspielzeug am Ende des 19. Jahrhunderts? Sauerstoffflaschen? Ich weiß ja nicht… Trotzdem fielen diese Dinge für mich tatsächlich wenig ins Gewicht. Denn obwohl die Geschichte an realen Schauplätzen wie Edinburgh oder in Spanien spielen, sah ich hier immer die Fantasy-Story, die sie eben auch ist. Ich verbuche diese Schnitzer für mich unter künstlerische Freiheit, da sie mir beim Lesen einfach kaum auffielen und meine Freude an der Geschichte nicht bremsen konnten.

Was mir eher zu schaffen machten, waren die perspektivischen Fehler. Das Buch ist eigentlich im Präsens und aus der Ich-Perspektive geschrieben, dennoch gibt es einige Schlenker zur allwissenden Erzählperspektive. Aus irgendeinem Grund fiel mir das in diesem Buch besonders auf und störte mich enorm.

Für mich war es dann tatsächlich Jack, der Protagonist, der mich immer wieder dazu brachte das Buch erneut in die Hand zu nehmen. Malzieus Protagonist wirkt in einigen Momenten sehr steif und in anderen wiederum so unglaublich lebendig. Ein klein wenig fühlte ich mich bei ihm an Pinocchio erinnert. Er macht in seinem Leben einfach so viel durch und ich konnte mich so gut in ihn reinfühlen, dass ich wissen musste, ob ihm ein Happy End vergönnt ist. Wie es dann aber für den Jungen mit dem Kuckucksuhrenherz weitergeht, müsst ihr selbst herausfinden!

Die Mechanik des Herzens war auf jeden Fall anders, als ich es gedacht hatte und eine merkwürdige Geschichte, die mich immer wieder an den Stil von Regisseur Tim Burton erinnerte. Zwar konnte sie mich nicht völlig überzeugen, aber dennoch so anfixen, dass auch bereits ein zweites Buch des Autors einziehen durfte. Für mich handelt es sich hierbei also um ein Mittelding mit Sternchen und der Tendenz dennoch etwas Besonderes zu sein, denn ich habe das nagende Gefühl, dass hier viel bei der Übersetzung verloren ging. Wäre nur mein Französisch nicht so fürchterlich eingerostet… Ach, irgendwie habe ich doch mein Herz an Jack und die kleine Miss Arcacia verloren und ich bin mir sicher, dass das Buch nicht für jeden etwas ist, aber ich habe doch mein Herz an diese Geschichte verloren.


Was meinst du, wirst du Jack, seinem Kuckucksuhrenherzen und der spanischen Tänzerin eine Chance geben?

Signatur19

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