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Rezension | Mathias Mazieu: Der kleinste Kuss der Welt

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Endlich endlich endlich habe ich es geschafft zu meinem zweiten Malzieu zu greifen! 144 Seiten Realitätsflucht. 144 Seiten Magie. Ich weiß gar nicht wie ich dir dieses Buch empfehlen soll, ohne ins Schwärmen zu geraten, doch eins kann ich dir versichern: dieses Büchlein entführt dich auf einen Pfad, den du so schnell nicht mehr vergessen wirst. Starten wir mit einer kleinen Leseprobe:


Leseprobe:

Ich hatte den kleinsten Kuss der Welt im Théâtre du Renard verloren. Er war mir mitten in der Nacht beim Tanzen von den Lippen geglitten, als mein Blick auf ein blaues Petticoatkleid mit großen weißen Tupfen fiel. Anmut, Sinnlichkeit und Verlockung. Ein Hauch von Geheimnis. Immer, wenn ich mich ihr nähern wollte, entwischte sie mir. Nach einem getänzelten Slalom stand ich endlich der Frau gegenüber, die mich magnetisierte. Ich brachte kein Wort heraus. Aus Angst, die Flut könnte sie abermals davonspülen, küsste ich sie. Der Anflug eines Kurzschlusses. Wir berührten einander kaum. Der kleinste Kuss der Welt. Ein grelles Licht, und dann nichts. Sie war fort. Als wäre ihr Mund ein magischer Schalter – wenn man ihn umlegt, löst sie sich in Luft auf. Ich hörte sie davongehen, hörte ihre Schritte verklingen. Sie war also gar nicht verschwunden, sie war bloß unsichtbar geworden! Wir hatten einander den kleinsten Kuss der Welt gegeben, und sie hatte sich verflüchtigt, abrupt wie ein Stromausfall. Ich musste sie unbedingt wiederfinden.

Details:

carl’s books – 144 Seiten – Broschiert – 12,99€ – Erschienen am 31.08.2915 –


Mathias Malzieu ist ein Künstler. Jemand, der Bilder mit Worten malt und so fantastische Geschichten schreibt, dass ich alles um mich herum vergessen kann. Schon ab der ersten Zeile bin ich ihm verfallen und schaffe es kaum das Büchlein zur Seite zu legen. 144 Seiten sind nicht viel, doch sie sind gefüllt mit Gefühlen und Unerwartetem und Unglaublichem und so unendlich viel Fantasie, dass ich mir zum ersten Mal in meinem Leben inbrünstig einen Mäusespeckmantel mit Schokoladenüberzug wünsche.

Trotz seiner märchenhaften Beschreibungen und kindlichen Einfällen kommt die Geschichte sehr erwachsen daher und richtet sich meiner Meinung nach nicht gerade an ein junges Publikum. Es fühlt sich an, als würde man eine gewisse Reife brauchen, um die Story wirklich begreifen zu können, was mich übrigens vermuten lässt, dass auch ich sie nicht vollumfänglich verstanden habe. Dazu ist sie trotz der Kürze zu vielschichtig und ich werde sie mit Sicherheit auch noch mindestens ein zweites mal lesen. Mir ist beim Lesen selten so bewusst geworden, dass die Stimmung, in der ich gerade bin, großen Anteil daran hat, wie ich das Buch wahrnehme. Je nachdem könnte man die Geschichte als traurig, spannend, hoffnungsvoll und sogar hoffnungslos empfinden und ist damit so individuell wie unsere Gefühlswelt selbst.

Wenn dich dieser spannende Faktor noch nicht reizt, dann doch hoffentlich das wunderschöne Cover! Ich liebe den Zeichenstil einfach und je länger ich hinsehe, desto mehr Details entdecke ich. Und genau so verhält es sich auch mit der Story. Je länger man zwischen den Seiten verweilt, desto größer und großartiger wird das Bild, das Malzieu in meinem Kopf zeichnet.

Tja, das mit dem Vermeiden des Schwärmens hat dann wohl leider nicht so gut geklappt, aber wo sollte ich mit meiner Begeisterung auch sonst hin, wenn nicht hierher? Für mich ist Der kleinste Kuss der Welt ein Highlight, mit dem ich so nicht gerechnet hatte, das ich aber jedem dringend ans Herz legen würde!

Was ich kurz sagen wollte... (Dein Kommentar geht danach in die Prüfung zur Freischaltung! ♥)