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[#WritingFriday] Ein Moment, der mein Leben hätte verändern können

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Eine Aktion der lieben Elizzy von readbooksandfallinlove

Es beginnt. Der erste #WritingFriday ist endlich da! Kurz zur Erklärung: Jeden Freitag werden die Teilnehmer einen kreativen Beitrag veröffentlichen. Dieser basiert auf einem der Themen, die Elizzy im Vorfeld zur Auswahl gestellt hat. Die Regeln, andere Teilnehmer und weitere Themen findet ihr unter dem oben angegebenen Link zu Elizzys Blog.

Mein erstes Thema: Erzähle von einem Moment, der den weiteren Verlauf deines Lebens fundamental hätte verändern können.


Ich will diese Ausbildung. Ich weiß, dass mir dieser Job liegen würde. Ich weiß es und ich will es. Und doch sind meine Hände kalt und nass. Ein unangenehmer Schauer läuft mir den Rücken hinab und ich zittere. Mein Mund ist wie ausgetrocknet und ich versuche zu schlucken. Es geht nicht. Der Kloß im Hals ist zu dick und will einfach nicht verschwinden.

Seufzend gehe ich mit meinem Dad zurück zum Auto. Die Wohnung war furchtbar. Ich hasse diese ausgestopften Jagdtrophäen. Ich finde das pervers. Und hier steht in jeder Ecke irgendein totes Tier und glotzt mich aus seinen kalten Glasaugen an. Ich hasse das Erzgebirge und alles was dazu gehört jetzt schon.

Okay, kurz zur Erklärung. Ich bin kein Schwarzmaler und schon gar nicht bin ich ein Nesthäkchen. Ich wollte schon immer aus meiner Heimatstadt weg. Zu eng. Zu klein. Zu alles, das nicht zu mir passt. Und nun liegt die Schule, an die ich gehen will, irgendwo bei Schneewittchen hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen im tiefsten Niemandsland. Bin ich denn bescheuert, dass ich mir das freiwillig ausgesucht habe? Ja, bin ich.

Ich drehe mich um und schaue meinen Dad an und beginne auf meiner Wange zu kauen. plötzlich sind alle guten Vorsätze dahin und die Ausbildung kommt mir so attraktiv vor wie die Vorstellung eine verschimmelte Mandarine zu essen. Ich will hier weg.  “Daddy, das geht so nicht.”, bringe ich mühsam hervor. Mir stehen plötzlich heiße Tränen in den Augen und ich bemühe mich nicht loszuheulen, aber es ist sinnlos. Die nächsten Worte platzen nur so aus mir heraus: “Du darfst mich nicht hier lassen. Das ist ein Verbrechen an der Menschheit! Lass mich bitte nicht hier!”. Und ich heule, als wäre ich nicht zwanzig, sondern zwei Jahre alt. Ist mir egal, ich finde es hier so scheiße.

Mein Dad schließt mich in seine Arme und streicht mir beruhigend über den Rücken. Ich schniefe noch ein paar Momente und versuche mich wieder einzukriegen, dann zücke ich mein Handy und rufe meine Mum an. Auch sie reagiert vollkommen verständnisvoll. Ich komme mir vor wie im falschen Film, bin aber froh, dass sie mich nicht drängen. Später erfahre ich, dass sie nicht wollten, dass ich so weit von ihnen weg wohne. Tja, sieben Jahre später wohne ich noch weiter weg, aber das tut gerade nichts zur Sache.

Auf dem Weg nach Hause gehen mein Dad und ich meine Optionen durch. Die Bewerbungsfristen für die Unis sind längst abgelaufen und mir bleiben nur noch NC-freie Studiengänge. Auch das ist mir völlig egal, irgendwas wird sich schon finden und alles ist besser als diese grüne Hölle. Ich lache und bin ausgelassen; die Erleichterung steht mir ins Gesicht geschrieben.

Am Abend stehen folgende Dinge fest: Ich werde nicht an die Berufsakademie gehen und das Kinderheim, in dem ich gerade arbeite verlassen. Morgen werde ich nach Halle fahren und mich dort für Soziologie und Psychologie einschreiben. Das klingt wenigstens annähernd nach etwas Sozialem und Psychologie fand ich schon immer interessant.

Und was soll ich sagen? Bis dahin waren die drei Jahre in Halle die besten meines Lebens.


Signatur 2

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Was ich kurz sagen wollte... (Dein Kommentar geht danach in die Prüfung zur Freischaltung! ♥)